Auf dem Dach des Gebäudes, in dem unser Büro liegt, läuft eine Photovoltaikanlage. Seit diesem Jahr kommt der Strom für Laptops, Bildschirme, Licht und Kaffeemaschine von dort. Das ist eine schöne Veränderung, und eine bescheidene. Sie stellt uns ausserdem eine unbequemere Frage: Woher der Strom kommt, ist die einfache Hälfte. Die interessante Hälfte ist, wie viel davon eine Software überhaupt braucht.
Die einfache Hälfte: woher der Strom kommt
Das Gebäude stellt auf Eigenverbrauch um: Was das Dach produziert, versorgt direkt das Gebäude, statt ins Netz zu wandern. Der Strom legt ein paar Meter zurück statt einiger Kilometer, und er wird dort genutzt, wo er entsteht.
An einem sonnigen Tag trägt das Dach das ganze Gebäude. Am Abend nicht, im Dezember um 17 Uhr nicht, und bei einer Woche Hochnebel auch nicht. Über ein Jahr gerechnet ist es eine Mischung, und genau so funktioniert Photovoltaik auf der Alpennordseite. Wir hängen mit dran, und das gefällt uns.
Die teure Hälfte läuft im Rechenzentrum
Nur: Ein Softwarehaus verbraucht seinen Strom nicht im Büro. Die Bildschirme laufen acht Stunden am Tag. Die Systeme, die wir bauen, laufen rund um die Uhr, jahrelang, auf Maschinen, die jemand anderes betreibt. Zwischen diesen beiden Zahlen liegen Grössenordnungen.
Und diese zweite Zahl wird nicht im Betrieb festgelegt, sondern beim Entwurf. Wie gross die Instanzen sind, wie viele Repliken mitlaufen, ob eine Anfrage ein Modell aufruft oder eine Tabelle liest: Das sind Architekturentscheide. Sie fallen einmal und wirken jeden Tag danach.
Optimieren heisst: die Arbeitslast der Cloud-Infrastruktur senken
Vier Hebel sehen wir in fast jedem Projekt:
- Auf die echte Last dimensionieren. Ein Cluster, der für eine Spitze ausgelegt ist, die nie eintritt, zieht in jeder einzelnen Stunde des Jahres Strom. Richtig dimensionieren ist der grösste und langweiligste Hebel, den es gibt.
- Das passende Verfahren wählen. Ein LLM-Aufruf für eine Aufgabe, die OCR, eine Regel oder ein klassisches Modell erledigt, kostet ein Vielfaches an Rechenzeit. Unsere eigene Codeanalyse ist von einem Modell zurück auf einen Linter und ein Regelwerk gewechselt, das Modell bleibt nur für die Fälle, die es verdienen. Und wo ein Modell das richtige Werkzeug bleibt, gibt es immer noch eine richtige Modellgrösse. Generative KI ist eine Form unter vielen, und meistens nicht die sparsamste.
- Abschalten, was niemand nutzt. Staging-Umgebungen über Nacht, Repliken ohne Leserinnen, Jobs, deren Ergebnis seit zwei Jahren niemand ansieht.
- Nicht zweimal rechnen. Ein Cache ist selten eine Eleganzfrage: Er ist Arbeit, die nicht wiederholt wird. Die Verarbeitung einer Queue so einzustellen, dass Race Conditions gar nicht erst auftreten, folgt derselben Logik, und dort haben wir die deutlichsten Gewinne gesehen.
Nichts davon ist neu, und nichts davon ist Verzicht. Es ist die gleiche Sorgfalt, die wir unter richtig dimensionierter Technik ohnehin meinen: Ein Prototyp darf schlank sein, ein Produkt im Betrieb braucht Tiefe, und beides darf nicht grösser gebaut werden, als es sein muss.
Stromrechnung und Cloud-Rechnung sind dieselbe Rechnung
Diese Entscheide sparen Strom, und sie sparen dieselbe Position auf der Cloud-Rechnung. Wer seine Infrastruktur auf die tatsächliche Last bringt, muss sich nicht zwischen einem Kostenargument und einem Energieargument entscheiden. Es ist derselbe Architektur-Review.
Deshalb kommt das Thema bei uns nicht aus der Nachhaltigkeitsabteilung, sondern aus dem Betrieb. Es gehört ohnehin dorthin, wo über Dimensionierung entschieden wird.
Eine Einordnung noch, weil die Frage naturgemäss aufkommt: Das Dach betrifft unser Büro, nicht die Plattformen, die wir für Kundinnen und Kunden betreiben. Die laufen bei Infomaniak in der Schweiz und bei Hetzner in Deutschland, aus Gründen der Rechtsordnung, und über die Energie ihrer Rechenzentren geben die beiden Betreiber selbst Auskunft.
Richtig dimensioniert ist der eigentliche Beitrag
Das Dach haben wir nicht gebaut. Wir profitieren davon, und wir freuen uns darüber.
Was wir bauen, ist die Dimensionierung: wie gross ein Cluster wirklich sein muss, welches Verfahren eine Aufgabe löst, was nachts abgeschaltet gehört. Das entscheidet über Jahre, wie viel Strom ein System zieht.
Der angenehme Teil daran: Die effiziente Architektur ist dieselbe wie die günstige. Niemand muss sich zwischen der Stromrechnung und der Cloud-Rechnung entscheiden.
